Kurze Vokale schreibt das Arabische als Zeichen, nicht als Buchstaben: Fatha (a), Damma (u), Kasra (i), dazu Sukūn (kein Vokal), Schadda (Verdopplung) und Tanwīn (-an, -un, -in). Wie man sie liest, warum die Länge zählt und wie Araber ohne sie lesen.
Ich kann voll vokalisierte arabische Wörter laut lesen, lange Vokale und verdoppelte Konsonanten halten, Tanwīn lesen und weiß, dass Alltagstexte ohne Vokalzeichen auskommen.
Schau dir diese Beispiele an. Kannst du das grammatische Muster erkennen?
كَتَبَ
er schrieb
كُتُب
Bücher
كِتابٌ
ein Buch
مُعَلِّم
Lehrer
Achte auf die hervorgehobenen Teile. Was haben sie gemeinsam?
Arabische Buchstaben sind Konsonanten, ا و ي schreiben zusätzlich die langen Vokale. Die kurzen Vokale a, u, i sind überhaupt keine Buchstaben, sondern kleine Striche über oder unter einem Konsonanten, genannt حَرَكات (ḥarakāt, „Bewegungen“). Drei weitere Zeichen vervollständigen das System: Sukūn (kein Vokal), Schadda (verdoppelter Konsonant) und Tanwīn (Endung auf -n).
Das ist der große Unterschied zum Deutschen: In „Kakao“ stehen drei Vokalbuchstaben, in كَتَبَ („er schrieb“) stehen nur drei Buchstaben, ك ت ب, und die drei a sind Striche darüber.
| Zeichen | Name | Laut | Beispiel |
|---|---|---|---|
| ◌َ | فَتْحَة - Fatha | a, über dem Buchstaben | كَتَبَ - er schrieb |
| ◌ُ | ضَمَّة - Damma | u, über dem Buchstaben | كُتُبٌ - Bücher |
| ◌ِ | كَسْرَة - Kasra | i, unter dem Buchstaben | بِنْتٌ - Mädchen |
| ◌ْ | سُكون - Sukūn | nach dem Konsonanten folgt kein Vokal | قَلْبٌ - Herz |
| ◌ّ | شَدَّة - Schadda | der Konsonant wird verdoppelt | مُعَلِّمٌ - Lehrer |
| ◌ً ◌ٌ ◌ٍ | تَنْوين - Tanwīn | -an, -un, -in am Wortende | كِتابٌ - ein Buch |
Ein kurzer Vokal ist ein Zeichen, ein langer fast immer Zeichen plus Buchstabe: Fatha + ا = ā, Damma + و = ū, Kasra + ي = ī. Die Ausnahme ist das kleine Alif in هٰذا und ذٰلِكَ, ein langes ā ohne Buchstaben. Die Länge unterscheidet Wörter, und hier haben Sie einen echten Vorsprung: Das Deutsche macht es genauso, „Staat“ und „Stadt“, „Miete“ und „Mitte“. جَمَلٌ (jamal) ist ein Kamel, جَمالٌ (jamāl) Schönheit; كَتَبَ (kataba) heißt „er schrieb“, كاتِبٌ (kātib) „Schriftsteller“. Nur zeigt das Arabische die Länge fast immer mit einem Buchstaben an (das kleine Alif in هٰذا ist eine Ausnahme), nie mit einem stummen h wie in „Sohn“.
Sukūn, ein kleiner Kreis, sagt: Hier folgt kein Vokal. قَلْبٌ ist qal-b, بَيْتٌ ist bay-t. Der Name bedeutet „Ruhe“.
Schadda (ein kleines w-förmiges Zeichen) heißt: Der Buchstabe steht einmal da, wird aber doppelt gesprochen, also einen Moment gehalten. مُعَلِّمٌ ist mu-ʿal-lim, nicht mu-ʿa-lim. Vorsicht, hier trügt das Deutsche: Ein Doppelbuchstabe wie in „Mitte“ oder „Bett“ zeigt nur, dass der Vokal davor kurz ist, gesprochen wird ein einziges t. Einen wirklich langen Konsonanten hören Sie im Deutschen nur an Wortfugen: „mit-teilen“, „an-nehmen“. Genau so klingt die Schadda. Sie verändert Wörter: دَرَسَ (darasa) „er studierte“, دَرَّسَ (darrasa) „er unterrichtete“. Das Vokalzeichen steht trotzdem auf dem verdoppelten Buchstaben, über der Schadda oder direkt darunter.
Ein doppeltes Vokalzeichen am Ende eines Nomens oder Adjektivs fügt -n hinzu: كِتابٌ kitābun, كِتاباً kitāban, كِتابٍ kitābin. Die drei Vokale sind die drei Fallendungen: Nominativ -u, Akkusativ -a, Genitiv -i. Das kennen Sie: Es sind drei Ihrer vier Fälle, nur der Dativ fehlt, und die Arbeit übernimmt die Endung, kein Artikel wie in „der, den, des“. Das -n markiert meist das Unbestimmte und entspricht damit Ihrem „ein“: „ein Buch“. Die Form auf -an bekommt ein zusätzliches Alif (شُكْراً, shukran), außer nach ة (مَدينَةً), nach ى (مَقْهًى) und meist nach ـاء (ماءً). Kommt der Artikel, fällt das Tanwīn weg: الكِتابُ, das Buch. Viele Namen behalten es, obwohl sie bestimmt sind (مُحَمَّدٌ), und manche Wörter nehmen es nie. Am Satzende spricht man die kurze Endung meist nicht: هٰذا كِتابٌ liest man hādhā kitāb.
Hamza (ء) ist der Knacklaut; Madda (آ) ist Hamza mit langem ā, wie in آخِرٌ (ākhir, letzter); ein kleines senkrechtes Alif (ـٰ) schreibt in einigen häufigen Wörtern ein langes ā: هٰذا, ذٰلِكَ, اللّٰه.
Zeitungen, Schilder, Romane und Websites lassen die Ḥarakāt weg. Voll vokalisiert sind der Koran, Kinderbücher und Lehrbücher wie dieser Kurs. Die Buchstaben كتب allein können كَتَبَ (er schrieb), كُتُبٌ (Bücher) oder كُتِبَ (es wurde geschrieben) sein, und der Leser entscheidet nach Zusammenhang und Wortmuster.
Ein wenig davon können Sie schon: „Die Blätter modern im Wald“ und „Das Haus ist modern“ schreiben dasselbe Wort, einmal auf der ersten, einmal auf der zweiten Silbe betont, und niemand stolpert, obwohl die Betonung nirgends steht. Der arabische Leser macht das mit allen kurzen Vokalen zugleich. Lernen Sie deshalb jedes Wort mit seinen Vokalen: Die Muster, die Sie sich einprägen, lassen Sie später ohne sie lesen.
Wende diese Grammatik in den Übungen des Kurses A1 an
Übungsaufgabenكَتَبَ
er schrieb
kataba: Drei Fathas ergeben das Muster a-a-a. Die Wurzel ك-ت-ب trägt die Bedeutung „schreiben“, die Vokale machen daraus „er schrieb“.
كُتُب
Bücher
kutub: Zwei Dammas ergeben das Muster u-u. Das ist ein „gebrochener Plural“ von كِتاب: Der Plural entsteht im Wortinneren, ähnlich wie „Buch“ zu „Bücher“ seinen Vokal ändert, nur viel weitreichender.
كِتابٌ
ein Buch
kitābun: Das Tanwīn ٌ (-un) markiert das Unbestimmte, „ein Buch“, nicht „das Buch“. Mit Artikel fällt es weg: الكِتابُ.
مُعَلِّم
Lehrer
muʿallim: Die Schadda auf ل verdoppelt es, mu-ʿal-lim, wie das lange n in „an-nehmen“. Ein deutsches „ll“ wie in „Wolle“ wäre zu kurz.
نَجيب مَحْفوظ كاتِبٌ كَتَبَ كُتُباً كَثيرَةً.
Nagib Machfus ist ein Schriftsteller, der viele Bücher geschrieben hat.
kātibun kataba kutuban: eine Wurzel, ك ت ب, drei Wörter: kātib (Schriftsteller), kataba (er schrieb), kutub (Bücher). kataba und kutub unterscheiden sich nur durch die kurzen Vokale, ohne Ḥarakāt stehen also beide als كتب da; kātib schreibt sein langes ā mit dem Buchstaben ا (كاتب). Machfus aus Kairo erhielt 1988 den Literaturnobelpreis.
دَرَسْتُ في القاهِرَةِ، وَدَرَّسْتُ في عَمّانَ.
Ich habe in Kairo studiert und in Amman unterrichtet.
darastu ... wa-darrastu: Zwischen „ich habe studiert“ und „ich habe unterrichtet“ steht nur die Schadda auf ر. Sprechen Sie das r doppelt. Auch عَمّان hat eine Schadda: ʿam-mān, mit hörbar langem m.
شُكْراً جَزيلاً!
Vielen Dank!
shukran jazīlan: zweimal Tanwīn auf -an, jedes mit einem zusätzlichen Alif, das nicht lang gesprochen wird. Diese Alltagsformel behält ihr -an sogar am Satzende, anders als die meisten Wörter.
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