كانَ, „war“: wie das Arabische einen Satz ohne Verb in die Vergangenheit setzt, warum das Prädikat in den Akkusativ geht (كانَ البَيْتُ كَبيراً), die Formen كُنْتُ، كانَتْ، كانوا, das Futur سَيَكونُ und die Schwestern لَيْسَ، أَصْبَحَ، ما زالَ.
Ich kann sagen, wie Menschen, Orte und Dinge waren und welchen Beruf jemand hatte, was jemand geworden oder noch immer ist und was ich hatte oder nicht hatte.
Schau dir diese Beispiele an. Kannst du das grammatische Muster erkennen?
كان الطالبُ مجتهداً.
Der Student war fleißig.
كانت المدينةُ جميلةً.
Die Stadt war schön.
كنتُ تعبانًا.
Ich war müde.
كنّا سعداءَ.
Wir waren glücklich.
Achte auf die hervorgehobenen Teile. Was haben sie gemeinsam?
Im Präsens braucht das Arabische kein „sein“: البَيْتُ كَبيرٌ - das Haus (ist) groß. Um den Satz in die Vergangenheit zu setzen, stellt man كانَ davor: كانَ البَيْتُ كَبيراً - das Haus war groß. Dabei tut كانَ etwas, was das deutsche „war“ nie tut: Es setzt das Prädikat in den Akkusativ. كَبيرٌ wird zu كَبيراً; das Subjekt البَيْتُ behält seine Endung.
Nach „sein“ steht im Deutschen der Nominativ, und zwar auf beiden Seiten: „Mein Großvater war ein Bäcker“, nicht „einen Bäcker“. Genau dieses Gefühl führt zum typischen Fehler *كانَ البَيْتُ كَبيرٌ. Im Arabischen bekommt das Prädikat nach كانَ das -an: كانَ جَدّي خَبّازاً. Merken Sie sich: Wo das Deutsche nach „war“ nichts ändert, hängt das Arabische ein -an an.
| كُنْتُ - ich war | كُنّا - wir waren |
| كُنْتَ - du warst (zu einem Mann) | كُنْتُمْ - ihr wart |
| كُنْتِ - du warst (zu einer Frau) | كانوا - sie waren |
| كانَ - er war, es war | كانَتْ - sie war |
Das sind die gewöhnlichen Vergangenheitsendungen; nur die Wortmitte verschiebt sich. كانَ hat ein langes ā (kāna), vor einer Endung, die mit einem Konsonanten beginnt, wird es zu kurzem u: كُنْتُ (kuntu), كُنّا (kunnā).
Im unvokalisierten Alltagstext sehen Sie meist nur das Alif von -an; den Rest hört man beim Vorlesen.
Die arabischen Grammatiker fassen mehrere Verben mit كانَ zusammen, weil sie gleich funktionieren: Auch nach ihnen steht das Prädikat im Akkusativ. Das meint „كانَ وَأَخَواتُها“, „kāna und ihre Schwestern“. Die deutsche Grammatik kennt eine ähnliche Familie, die Kopulaverben „sein, werden, bleiben“, nur verlangen die den Nominativ: „Sie wurde Ärztin.“
| لَيْسَ - ist nicht | لَيْسَ المَتْحَفُ مَفْتوحاً - das Museum ist nicht geöffnet |
| صارَ، أَصْبَحَ - wurde | أَصْبَحَتْ أُخْتي طَبيبَةً - meine Schwester wurde Ärztin |
| ما زالَ - ist noch immer | ما زالَ الجَوُّ حارّاً - es ist immer noch heiß |
| ظَلَّ - blieb | ظَلَّ السّوقُ مُزْدَحِماً - der Markt blieb überfüllt |
Hat كانَ ein Subjekt und sonst nichts, heißt es „es gab, existierte“, und das Nomen bleibt im Nominativ. So beginnen arabische Märchen: كانَ يا ما كانَ - es war einmal, dieselbe Formel mit demselben Verb wie im Deutschen.
Auch die Vergangenheit von عِنْدي („ich habe“) bildet man mit كانَ: كانَ عِنْدي وَقْتٌ - ich hatte Zeit, wörtlich „es war bei mir Zeit“. Das ist nicht mehr das „es war einmal“: عِنْدي ist hier das Prädikat und steht vor seinem Subjekt وَقْتٌ, genau wie im Präsens عِنْدي وَقْتٌ. عِنْدي hat keine Endung, die sich ändern könnte, also kommt kein -an, und das Subjekt وَقْتٌ bleibt im Nominativ. كانَ stimmt mit وَقْت überein, dem, was man hatte, nicht mit „ich“. Ein alltägliches Verb für „haben“ gibt es nicht.
كانَ eröffnet meist den Satz und bleibt in dieser Stellung im Singular, auch vor einem Pluralsubjekt: كانَ الطُّلّابُ مَشْغولينَ - die Studenten waren beschäftigt. Steht das Subjekt vorn, stimmt das Verb voll überein: الطُّلّابُ كانوا مَشْغولينَ.
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Übungsaufgabenكان الطالبُ مجتهداً.
Der Student war fleißig.
kāna ṭ-ṭālibu mujtahidan: كان macht الطالب zum Subjekt (Nominativ) und مجتهداً zum Prädikat (Akkusativ, erkennbar am Tanwīn mit Fatha, اً). Im Deutschen bliebe „fleißig“ nach „war“ unverändert.
كانت المدينةُ جميلةً.
Die Stadt war schön.
kānati l-madīnatu jamīlatan: كانت ist die feminine Form, weil المدينة feminin ist. جميلةً steht im Akkusativ; auf ة wird dafür kein Alif geschrieben.
كنتُ تعبانًا.
Ich war müde.
kuntu taʿbānan: كُنتُ heißt „ich war“; das Subjekt steckt im Verb. تعبانًا steht im Akkusativ. Eine Frau sagt dasselbe كُنتُ, der Unterschied zeigt sich erst am Adjektiv.
كنّا سعداءَ.
Wir waren glücklich.
kunnā suʿadā'a: كنّا heißt „wir waren“. سعداءَ (glücklich, Plural) steht im Akkusativ, ein gebrochener Plural, der kein Tanwīn nimmt und deshalb nur auf -a endet.
كانَ جَدّي خَبّازاً في دِمَشْقَ.
Mein Großvater war Bäcker in Damaskus.
kāna jaddī khabbāzan fī dimashq: Nach كانَ bekommt das Prädikat خَبّاز (Bäcker) den Akkusativ -an: خَبّازاً. Im Deutschen steht nach „war“ der Nominativ, „war Bäcker“. Das Subjekt جَدّي bleibt, wie es ist.
كانَ الجَوُّ حارّاً في الأُقْصُرِ أَمْسِ.
Gestern war es in Luxor heiß.
kāna l-jawwu ḥārran fi l-uqṣuri ams: wörtlich „das Wetter war heiß“. Das Deutsche braucht ein leeres „es“, das Arabische nennt das Wetter, الجَوُّ. حارّ hat eine Schadda, und der Akkusativ fügt -an an: حارّاً (ḥārran).
لَيْسَ المَتْحَفُ مَفْتوحاً اليَوْمَ، سَيَكونُ مَفْتوحاً غَداً.
Das Museum ist heute nicht geöffnet; morgen wird es geöffnet sein.
laysa l-matḥafu maftūḥan l-yawm, sa-yakūnu maftūḥan ghadan: لَيْسَ, „ist nicht“, ist eine Schwester von كانَ, also steht auch sein Prädikat im Akkusativ: مَفْتوحاً. سَيَكونُ, das Futur von كانَ, tut dasselbe.
أَصْبَحَتْ أُخْتي طَبيبَةً، وَهِيَ تَعْمَلُ في بَيْروتَ.
Meine Schwester ist Ärztin geworden und arbeitet in Beirut.
aṣbaḥat ukhtī ṭabībatan wa-hiya taʿmalu fī bayrūt: أَصْبَحَ, ursprünglich „am Morgen sein“, dient als „werden“. Als Schwester von كانَ setzt es sein Prädikat in den Akkusativ: طَبيبَةً. „Sie wurde Ärztin“ hat im Deutschen den Nominativ.
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