Besitzkonstruktion, die zwei Nomen verbindet
Ich kann Besitzkonstruktionen mit Idafa bilden
Schau dir diese Beispiele an. Kannst du das grammatische Muster erkennen?
كِتابُ الطّالِبِ
Das Buch des Studenten
بابُ البَيتِ
Die Tür des Hauses
مُدَرِّسُ اللُّغَةِ العَرَبِيَّةِ
Der Arabischlehrer
غُرفَةُ نَومٍ
Ein Schlafzimmer
Achte auf die hervorgehobenen Teile. Was haben sie gemeinsam?
Die Iḍāfa (إِضافة, „Anfügung“) ist die arabische Genitivverbindung, und hier haben Sie Glück: Die Reihenfolge ist die deutsche. Erst das Ding, dann der Besitzer im Genitiv: كِتابُ الطّالِبِ - das Buch des Studenten; بابُ البَيْتِ - die Tür des Hauses; مَدينَةُ دِمَشْقَ - die Stadt Damaskus. Auch das zweite Wort steht wie bei Ihnen im Genitiv, erkennbar an der Endung -i.
| Teil | Arabischer Begriff | Was mit ihm geschieht |
|---|---|---|
| erstes Nomen: das Ding | مُضاف | kein الـ und kein Tanwīn; sein Fall hängt von seiner Rolle im Satz ab |
| zweites Nomen: Besitzer, nähere Bestimmung | مُضاف إِلَيْهِ | immer Genitiv (-i); es entscheidet, ob die ganze Verbindung bestimmt ist |
Hier trennen sich die Wege. Das Deutsche setzt vor beide Nomen einen Artikel: „das Buch des Studenten“. Überträgt man das, entsteht *الكِتابُ الطّالِبِ, der hartnäckigste Fehler Deutschsprachiger bei diesem Thema. Das erste Nomen nimmt nie الـ und nie Tanwīn, auch wenn es als „das“ verstanden wird. Einen Anhaltspunkt haben Sie aber im eigenen Sprachgebrauch: den vorangestellten Genitiv. Sie sagen „Peters Buch“, nie „das Peters Buch“, und das Buch ist trotzdem bestimmt. Genau so bestimmt das zweite arabische Nomen das erste mit. Diese Nacktheit verrät die Iḍāfa auch beim Lesen: zwei Nomen hintereinander, das erste ohne الـ und ohne Tanwīn.
| Iḍāfa | Warum bestimmt oder nicht |
|---|---|
| كِتابُ الطّالِبِ - das Buch des Studenten | bestimmt: الـ am letzten Nomen |
| كِتابُ طالِبٍ - das Buch eines Studenten | unbestimmt: Tanwīn am letzten Nomen |
| سَيّارَةُ أَبي - das Auto meines Vaters | bestimmt: Possessivendung |
| شَوارِعُ القاهِرَةِ - die Straßen Kairos | bestimmt: Ortsname mit الـ |
| غُرْفَةُ نَوْمٍ - ein Schlafzimmer | unbestimmt: „Zimmer eines Schlafs“ |
Brauchen Sie „ein Buch des Studenten“ (der Besitzer bekannt, das Buch eines von mehreren), verlässt das Arabische die Iḍāfa und nimmt لِـ: كِتابٌ لِلطّالِبِ.
Wo das Deutsche ein zusammengesetztes Wort bildet, nimmt das Arabische oft eine Iḍāfa, und zwar in umgekehrter Reihenfolge. Im deutschen Kompositum steht das Bestimmende vorn, „Schlaf-zimmer“, „Auto-schlüssel“; in der Iḍāfa steht es hinten: غُرْفَةُ نَوْمٍ, „Zimmer Schlaf“, مِفْتاحُ سَيّارَةٍ, „Schlüssel Auto“. Lesen Sie ein deutsches Kompositum also von hinten nach vorn, und Sie haben die arabische Reihenfolge.
Das feminine ة des ersten Nomens wird als t gesprochen: سَيّارَةُ أَبي (sayyāratu abī), غُرْفَةُ نَوْمٍ (ghurfatu nawmin). Mit vollen Endungen steht das erste Nomen in dem Fall, den seine Rolle verlangt, das zweite immer im Genitiv, wie im Deutschen: بَيْتُ جَدّي كَبيرٌ - das Haus meines Großvaters ist groß; أَسْكُنُ في بَيْتِ جَدّي - ich wohne im Haus meines Großvaters. Beim Lesen im Alltag fallen die Endvokale oft weg, das -t von ة bleibt.
Zwischen die beiden Nomen darf nichts treten. Das Deutsche stellt das Adjektiv nach vorn, „das neue Buch des Studenten“; im Arabischen kommt es hinter die ganze Iḍāfa und richtet sich nach dem Nomen, das es beschreibt. Mit vollen Endungen hört man, welches: كِتابُ الطّالِبِ الجَديدُ - das neue Buch des Studenten (-u wie كِتابُ); كِتابُ الطّالِبِ الجَديدِ - das Buch des neuen Studenten (-i wie الطّالِبِ). Ohne Endungen sehen beide gleich aus, der Zusammenhang entscheidet. Das Adjektiv trägt الـ, weil eine Iḍāfa mit bestimmtem letztem Nomen bestimmt ist.
Eine Iḍāfa kann drei oder mehr Nomen umfassen, und nur das letzte darf الـ tragen: مِفْتاحُ سَيّارَةِ أَبي - der Autoschlüssel meines Vaters; بابُ بَيْتِ المُدَرِّسِ - die Tür des Hauses des Lehrers. Sie lesen Iḍāfas auf jedem Straßenschild und in jedem Kalender: جامِعَةُ القاهِرَةِ - Universität Kairo, يَوْمُ الجُمُعَةِ - Freitag, عيدُ الفِطْرِ - das Fest des Fastenbrechens, فِنْجانُ قَهْوَةٍ - eine Tasse Kaffee. Sogar Ortswörter funktionieren so: أَمامَ البَنْكِ - vor der Bank. Und die Frage „wessen?“ ist eine Iḍāfa mit مَنْ: مَفاتيحُ مَنْ هٰذِهِ؟ - wessen Schlüssel sind das?, wörtlich „Schlüssel wessen (sind) diese?“.
Wende diese Grammatik in den Übungen des Kurses A1 an
ÜbungsaufgabenAdding ال to the first noun of Idafa
The مُضاف never takes ال: كتاب الطالب (not الكتاب الطالب)
Reversing the noun order in Idafa
Possessed noun comes first: كتاب الطالب = student's book
كِتابُ الطّالِبِ
Das Buch des Studenten
kitābu ṭ-ṭālibi — كتاب hat kein ال, weil es das مُضاف ist.
بابُ البَيتِ
Die Tür des Hauses
bābu l-bayti — zweigliedrige Idafa: Tür + das Haus.
مُدَرِّسُ اللُّغَةِ العَرَبِيَّةِ
Der Arabischlehrer
mudarrisu l-luġati l-ʿarabiyyati — Ketten-Idafa mit Adjektiv am letzten Nomen.
غُرفَةُ نَومٍ
Ein Schlafzimmer
ġurfatu nawmin — unbestimmte Idafa (kein ال, Tanwin auf dem zweiten Nomen).
Im Kurs üben
Wende diese Grammatik in den Übungen des Kurses A1 an